BürgerInnen-Rat

Der BürgerInnen-Rat ist eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung und Politik. Unter qualitätsvoller Moderation werden mit zufällig ausgewählten BürgerInnen einer Gemeinde oder Region an einem Wochenende Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen ausgearbeitet. Der BürgerInnen-Rat ist ein unparteiisches Sprachrohr der Bevölkerung und bringt Politik und Bürger wieder näher zusammen.

Beim BürgerInnen-Rat werden nach dem Zufallsprinzip zehn bis fünfzehn BürgerInnen eines Ortes, einer Region oder eines Landes ausgewählt, die an eineinhalb Tagen miteinander arbeiten. Aufgrund der Zufallsauswahl handelt es sich bei den Teilnehmenden um „normale“ Leute, die über keinerlei spezielles Vorwissen oder spezielle Qualifikationen verfügen. Sie vertreten keine Interessensgruppen, sondern ihre persönliche Meinung. Der Prozess wird durch ein spezielles Moderationsverfahren („Dynamic Facilitation“) begleitet. Am Ende des BürgerInnen-Rats soll eine gemeinsame Erklärung verfasst werden. Wichtig ist, dass sich die ganze Gruppe auf diese Erklärung einigt, die dann in einem zweiten Schritt der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Die Qualität des BürgerInnen-Rates besteht einerseits in der Zufallsauswahl, die zu einer sehr heterogenen Gruppenzusammensetzung führt. Dadurch können möglichst viele unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen in die Diskussion einfließen. Andererseits dient der BürgerInnen-Rat als unparteiische Form, um sich als Bürger politisch einzubringen und das eigene Umfeld mitzugestalten. Der BürgerInnen-Rat trifft jedoch keine politischen Entscheidungen – er thematisiert aktuelle Herausforderungen und notwendige Entwicklungen in der Gemeinde/Region/Land und ist dadurch Impulsgeber für weitere Maßnahmen.

BürgerInnen-Räte können für eine bestimmte Zielgruppe, zu einem bestimmten Thema oder in unterschiedlichen räumlichen Zonen durchgeführt werden. Als besonders wirkungsvoll erweist sich das Instrument des BürgerInnen-Rates, wenn er in regelmäßigen Abständen, mit jeweils neuer Zufallsauswahl, durchgeführt wird. Dann kann sich der BürgerInnen-Rat als neue Form etablieren, um sich als Bürger unparteiisch in die politische Diskussion und die Gestaltung des Lebensumfeldes einzubringen.

Nähere Informationen zum Verfahren: www.vorarlberg.at/beteiligung; www.wisedemocracy.org; www.dynamicfacilitation.com

BürgerInnen-Räte in Vorarlberg Seit 2006 wurden in Vorarlberg bereits über 20 BürgerInnen-Räte in verschiedenen Gemeinden, Städten und Regionen durchgeführt. In dieser Intensität wurden BürgerInnen-Räte im deutschsprachigen Raum bisher nur in Vorarlberg umgesetzt. Vorarlberg setzt damit ein Beispiel um die Verständigung zwischen Bürgern und Politikern zu verbessern.

Der BürgerInnen-Rat wurde im deutschsprachigen Raum in dieser Intensität bisher nur in Vorarlberg umgesetzt. Themen, die in den bisherigen BürgerInnen-Räten behandelt wurden, sind einerseits der Standortfaktor Gemeinde/Stadt, dazu gehören seine Wirtschaftsstruktur (z.B. die Belebung der Innenstadt oder Sicherung der Nahversorgung), die Vermarktung der Region bzw. Gemeinde und städtebauliche Entwicklungen (z.B. Verkehr, Bauvorhaben). Andererseits war das Zusammenleben in der Gemeinde mit den Bereichen Integration, Sozialkapital und Lebensqualität und die Vernetzung von Engagement immer wieder Thema.

Um das neue Beteiligungsverfahren erfolgreich einsetzen und weiterentwickeln zu können, aber auch um dessen Wirkung besser abzuschätzen, ist es erforderlich, noch mehr Erfahrungen zu sammeln und zu dokumentieren. Zu diesem Zweck startet das Büro für Zukunftsfragen in Kooperation mit dem Lebensministerium in Wien das für zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt „BürgerInnen-Räte“. In diesem Zeitraum sollen einerseits zusätzliche Personen als Moderatoren für solche Beteiligungs-verfahren ausgebildet werden. In weiterer Folge sollen dann aber auch konkrete BürgerInnen-Räte in unterschiedlichsten Fragestellungen durchgeführt und wissenschaftlich evaluiert werden. Das Projekt läuft noch bis Ende 2011, erste Ergebnisse der Evaluation werden im Herbst 2012 erwartet.

Eine detaillierte Übersicht zu den bisher in Vorarlberg durchgeführten BürgerInnen-Räte finden Sie unter: www.vorarlberg.at/beteiligung.

Wirkungen des BürgerInnen-Rates

Selbstermächtigung durch Inklusivität Die zentrale Qualität des BürgerInnen-Rates ist nicht das Statement selbst, sondern der aktivierende Moment. Entsprechende Statements aus den BürgerInnen-Räten dazu: „Ich habe wirklich das Gefühl selbst einen Beitrag geleistet zu haben.“ „Gar nichts reden geht nicht.“ „wir konnten uns äußern, wurden gehört und haben damit bei Entscheidungsträgern etwas bewegt.“

Unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen haben Platz, das öffnet Raum für neue Gedanken Der BürgerInnen-Rat ermöglicht die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit komplexen Themen. Entsprechende Statements aus den BürgerInnen-Räten dazu: „…man muss halt oft ein wenig zuhören, um zu verstehen, was andere wirklich sagen wollen.“ „jeder hat seine Sichtweisen eingebracht und das hat zum umfassenderen Gesamtbild beigetragen“

Eine Gruppe Fremder – Ein gemeinsamer Auftrag Völlig unterschiedliche Menschen finden sich in einer gemeinsamen Sache und kommen auf einen Nenner. Entsprechende Statements aus den BürgerInnen-Räten dazu: „Unglaublich, eine Gruppe, die sich nicht kannte, wie schnell sie arbeitsfähig wurde.“ „Wir kamen als Ich und gehen als Wir.“

Gemeinsame Zukunftsbilder entwickeln Das anfangs oft sachorientierte Interesse wendet sich im Laufe des BürgerInnen-Rates: Teilnahme, Beziehung, Vertrauen und Kultur werden wichtiger! Entsprechende Statements aus den BürgerInnen-Räten dazu: „Ich hab für mein Leben was gelernt.“, „So wirklich was Greifbares rausgekommen ist nicht…aber es war entscheidend.“ „Das was wir im Großen wollen, haben wir im BürgerInnen-Rat erlebt.“

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